Am 18. Dezember 2025 in Berlin
Kolleg*innen, die in Berlin für freie Träger arbeiten, haben einen Sick Out und einen wilden Streik orgainsiert, um gegen Kürzungen im Sozialbereich zu kämpfen. Sie haben sich krankschreiben lassen, um am 18. Dezember wild zu streiken. Zusammen mit den Kolleg*innen, die am selben Tag einen Warnstreik für den Tarifvertrag der Länder durchgeführt haben, haben sie vor dem Abgeordnetenhaus protestiert. Da sie ihre Rede nicht auf der DGB Bühne halten durften, dokumentieren wir sie hier.
Liebe Streikende,
Wir sind die Beschäftigten der sozialen freien Träger und des kulturellen Bereichs und alle solidarischen Menschen, die sich uns angeschlossen haben.
Wir stehen an eurer Seite bei den Verhandlungen des TV-L.
Nicht nur, weil auch unsere Arbeitsbedingungen von dem Erfolg dieser Verhandlungen abhängen, weil wir wollen, dass all unsere Arbeitsbedingungen besser werden, wir unsere Arbeit nur gut machen können, wenn wir nicht ausgebrannt sind und auch weil wir wissen: Streiken ist ein essenzielles Recht einer Demokratie.
Doch das Streikrecht in Deutschland ist massiv reguliert und eingeschränkt.
Nicht etwa durch Gesetze, sondern durch Rechtssprechungen eines Nazi Richters aus den 50ern!
Wir dürfen heute nicht streiken und wir haben (noch) keinen Tarifvertrag, weil wir zersplittert sind in kleine Träger.
Und trotzdem haben wir und werden wir Wege finden, um unseren Forderungen Ausdruck zu verleihen.
Wir fordern:
Gleiches Gehalt für gleiche Arbeit: TV-L für alle
Einen branchendeckender Tarifvertrag für alle Berufsgruppen im Sozialen Bereich: Sozialarbeiter*innen, Erzieher*innen, Hauswirtschaftskräfte, Verwaltungskräfte, Sprachmittler*innen, Studierende, Pflegekräfte in sozialen Einrichtungen, Handwerker*innen und viele mehr.
UND dies soll für alle Branchen gelten.
Wir fordern die Hauptstadtzulage für alle!! Kai Wegner hatte sie versprochen und sein Versprechen, oh Wunder!, nicht eingehalten.
An dieser Stelle möchte ich außerdem unsere Solidarität den streikenden Sozialarbeitenden in Frankreich aussprechen, die seit 3 Tagen für bessere Arbeitsbedingungen und die Erhaltung des Sozialstaats streiken.
Aber heute ist nicht nur Streiktag, sondern heute wird auch da drinnen der Haushalt für die nächsten zwei Jahre verabschiedet. Oft wurde vom Sparhaushalt gesprochen, aber beim Haushalt wird gar nicht gespart. Er ist höher als die letzten Jahre. Es wird nur bei UNS gespart! Im sozialen Bereich, im Kulturbereich, also die Bereiche, die unser Leben in dieser Stadt BESSER machen.
Aber wo wird nicht gespart? Beim rassistisch motivierten Zaunbau am Görlitzer Park, bei der A100, die eine einzige Fehlplanung ist, einer Bewerbung für Olympia, und bei den Anfang Dezember beschlossenen massiven Einschränkungen unserer Grundrechte durch das neue Polizeigesetz, das nun Kameraüberwachung, Drohnennutzung und KI-Einsatz erlaubt. Dass dies verfassungswidrig ist, interessiert die Landesregierung nicht und fügt sich damit nicht nur in einen bundesweiten Trend ein, sondern befindet sich sogar auf der Überholspur Richtung Überwachungsstaat.
Was wir tatsächlich brauchen ist aber Prävention und mehr soziale Angebote. Zusammenhalt statt Angstmache und Überwachung,
Deshalb fordern wir auch:
Alle Kürzungen zurückzunehmen – und die Finanzierung der Sozialen und kulturellen Infrastruktur nachhaltig aufzustocken.
Wir sind Berlin und wir lieben diese Stadt, weil wir Solidarität und Gemeinschaft leben. Während Corona hieß es, wir wären systemrelevant, diese Relevanz wollen wir erleben als Teil der Gesellschaft. Gesetzliche Ansprüche unserer KlientInnen sind keine Bonbons, sondern staatliche Pflichtleistungen.
Dafür stehen wir hier, für uns alle, die diese Stadt am Laufen halten.
Wir sind viele und laut und wir sind noch nicht fertig.
Nächstes Jahr sind Wahlen! Auch ein Grund warum einige Kürzungen zurückgenommen wurden in Folge unserer massiven Proteste und starken Organisierung.
Und unsere Proteste und Streiks werden weitergehen. Und wir werden größer. Wir wollen Lösungen und das gestern schon.
Aber jetzt erstmal: HEUTE ist Kein Arbeitstag, heute ist Streiktag!
Es ist der 5. Dezember und zwei Drittel unserer Kampagnenzeit sind um.